Starke Familien – Eliana

„Sie hat uns gezeigt, wie stark ein kleines Leben sein kann.“

Als Eliana zur Welt kommt, wiegt sie gerade einmal 600 Gramm. Ihre Hand ist kaum größer als die Fingerspitze ihrer Mutter. Es ist ein heißer Juli-Nachmittag und für Rahel und ihren Mann Fabian endet an diesem Tag eine Schwangerschaft, die eigentlich ganz normal verlaufen war. „Ich hatte plötzlich starke Rückenschmerzen“, erinnert sich Rahel. „Erst im Krankenhaus wurde mir klar: Das sind Wehen.“ Sie ist in der 25. Schwangerschaftswoche, als feststeht, dass ihre Tochter viel zu früh kommen wird. „Das war erstmal ein riesiger Schock“, sagt Rahel. „Plötzlich stand im Raum: entweder heute oder innerhalb der nächsten Tage.“ Die Ärzte können die Geburt noch ein wenig hinauszögern, doch schließlich wird Eliana in der 26. Schwangerschaftswoche mit 34 Zentimetern und 600 Gramm geboren. Trotz der frühen Schwangerschaftswoche kann Rahel ihre Tochter auf natürliche Weise zur Welt bringen. „Darüber bin ich bis heute sehr dankbar“, sagt sie. „Ich habe das Gefühl, dass ich ihr damit einen möglichst sanften Start ins Leben geben konnte.“

Ein winziger Anfang
Wie viele extrem früh geborene Kinder muss Eliana zunächst beatmet werden. „Gerade am Anfang hatte sie viele Atemaussetzer“, erinnert sich Rahel. „Manchmal fiel ihr Herzschlag plötzlich ab. Besonders beim ersten Kuscheln hatten wir wegen der vielen Kabel große Angst.“ Trotzdem versuchen die Eltern, jeden Moment mit ihrer Tochter zu genießen. Schon am zweiten Lebenstag dürfen sie sie beim sogenannten Bonding Haut auf Haut spüren. Rahel erinnert sich noch genau, wie sie das kleine, warme Bündel an sich drückte, den winzigen Kopf an ihre Brust legte und spürte, wie stark ihr Herz klopfte. „Es war unglaublich emotional“, sagt sie. „Sie war so klein und gleichzeitig so stark.“

Ein paar Tage lang bleibt das Mädchen sogar ohne Namen. Rahel und Fabian wollen ihre Tochter erst einmal richtig kennenlernen, bevor sie sich festlegen. Erst nach und nach entsteht das Gefühl, welcher Name zu ihr passt – Eliana. „Der Name bedeutet unter anderem ‚Tochter der Sonne‘“, sagt Rahel. „Und sie wurde an einem der heißesten Tage des Jahres geboren. Das hat einfach gepasst.“

Drei Monate zwischen Hoffnung und Geduld
Fast drei Monate bleibt Eliana auf der Frühchen Station. Für viele Eltern ist es schwer, ohne ihr Baby nach Hause zu gehen, doch Rahel vertraut der medizinischen Versorgung voll und ganz. „Ich wusste, dass sie im Krankenhaus genau die Unterstützung bekommt, die sie braucht“, sagt sie. „Ehrlich gesagt hätte ich sie gar nicht mit nach Hause nehmen wollen. Dafür war sie einfach noch zu klein.“

Die Familie wohnt zum Glück nur wenige Minuten entfernt und kann so jederzeit bei ihrer Tochter sein. Schritt für Schritt übernehmen sie in der Klinik mehr Aufgaben selbst: wickeln, füttern, beruhigen. „Am Ende haben wir fast alles alleine gemacht“, sagt Rahel. „Irgendwann merkt man: Jetzt sind wir bereit.“ Und so darf Eliana Ende September schließlich nach Hause.

Begleitung, die Sicherheit gibt
Kurz vor der Entlassung lernen die Eltern das Angebot des Bunten Kreis Rheinland kennen und bekommen Unterstützung für Zu Hause von Nachsorgeschwester Cindy. „Das war für uns unglaublich wertvoll“, so Rahel. „Unsere Hebamme war toll, aber Cindy hatte noch einmal speziell Erfahrung mit Frühchen. Sie nahm sich Zeit für unsere Fragen und gerade beim Thema Gewicht hat sie uns viel Angst genommen. Sie war einfach jemand, der wirklich versteht, wie sich das Leben mit einem Frühchen anfühlt.“

Heute ist Eliana neun Monate alt und entwickelt sich prächtig, auch wenn es weiterhin viele Kontrolltermine bei Ärzt*innen gibt. „Das gehört bei Frühchen einfach dazu“, sagt Rahel, „aber unser Alltag fühlt sich inzwischen ganz normal an.“

Wenn sie zurückblickt, ist sie vor allem dankbar: für die Unterstützung der Klinik, ihrer Familie und für die Begleitung zu Hause. Eliana ist noch immer kleiner als viele andere Babys. „Aber sie zeigt uns jeden Tag, wie stark sie ist – ein kleiner Mensch, mit einer großen Geschichte.“

Foto: privat

April 2026 – Yvonne Lange