Franca Holzschneider engagiert sich seit 2017 ehrenamtlich in der Freizeitbetreuung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung. Im Interview erzählt sie, was ihr das Ehrenamt bedeutet, was sie antreibt und warum die gemeinsame Zeit mit den Teilnehmenden für sie so besonders ist.

Wie bist du zum Ehrenamt gekommen?
Kurz vor dem Abitur merkte ich, dass ich mich im sozialen Bereich einbringen möchte. Ich begann bei der Lebenshilfe Rhein-Sieg und durfte dort meine ersten Freizeiten begleiten. Als diese später eingestellt wurden, entstanden beim Bunten Kreis Rheinland neue Familien- und Freizeitangebote, dort setzte ich mein Ehrenamt fort und bin bis heute Teil des Teams.
Was motiviert dich, dich ehrenamtlich zu engagieren?
Ich wollte meine Zeit nach dem Abitur sinnvoll nutzen und etwas zurückgeben. Gleichzeitig liebe ich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und wollte neue Erfahrungen sammeln. Besonders wichtig ist mir der inklusive Ansatz: Begegnungen auf Augenhöhe und die Vielfalt der Teilnehmenden bereichern mich sehr.
Was gibt dir dieses Engagement persönlich?
Die Freizeiten empfinde ich oft als eine Art Erholung und Ausgleich zum Alltag. Ich schöpfe Kraft aus den gemeinsamen Erlebnissen, gewinne neue Perspektiven und merke, dass ich dort nicht nur gebe, sondern selbst sehr viel zurückbekomme. Gab es einen Moment, in dem du wusstest: Das ist das Richtige für mich? Ja, bei meiner ersten Segelfreizeit mit zwölf Kindern und Jugendlichen. Schon nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass ich auf solche Erlebnisse nicht verzichten möchte. Jede weitere Freizeit hat dieses Gefühl nur verstärkt. Ich glaube, vielen Ehrenamtlichen geht es ähnlich. Man wächst mit jeder gemeinsamen Erfahrung stärker hinein.
Wie sieht ein typischer Einsatz aus?
Ein Einsatz beginnt oft schon auf dem Weg zum Ziel. Während der gemeinsamen Anreise entsteht ein Austausch und wir kommen als Gruppe zusammen. Vor Ort unternehmen wir z. B. Ausflüge in den Streichelzoo, spielen Minigolf, besuchen den Kletterwald oder gestalten Themenwochen, wie eine Zirkusfreizeit. Es gibt kein „Wir“ und „Sie“ – Ehrenamtliche und Teilnehmende erleben alles gemeinsam. Unsere Aufgabe ist es, zu unterstützen, wo es nötig ist und einen sicheren Rahmen zu schaffen, in dem sich alle wohlfühlen.
Welche Aufgaben übernimmst du konkret?
Ich bin vor allem eine verlässliche Ansprechperson. Mir ist wichtig, dass die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen wahrgenommen werden und alle wertschätzend miteinander umgehen. Ich zeige ihnen, dass sie vieles schaffen können, wenn man ihnen etwas zutraut und gebe ihnen gleichzeitig Raum für eigene Erfahrungen. Regelmäßiger Austausch mit Eltern und Teilnehmenden gehört ebenso dazu.
Was macht dein Engagement besonders?
Besonders ist die Zeit, die wir wirklich miteinander verbringen. Über mehrere Tage hinweg entsteht schnell Vertrauen und Zusammenhalt. Das ist etwas, das ich aus anderen Ehrenämtern so nicht kenne.
Welche Wirkung hat dein Einsatz für andere und für dich selbst?
Ich sehe, wie Gemeinschaft, Vertrauen und Selbstvertrauen wachsen. Für mich persönlich ist das Ehrenamt eine große Bereicherung, ein Ausgleich zum Alltag und eine Möglichkeit, neue Perspektiven zu gewinnen und mich persönlich weiterzuentwickeln.
Gibt es eine Begegnung oder Geschichte, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Meine erste Segelfreizeit war sehr prägend. Aber auch die vielen kleinen Momente, wie das gemeinsame Lachen, der Zusammenhalt und das schnelle Zusammenwachsen jeder Gruppe bleiben mir in Erinnerung. Besonders schätze ich das tolle Team der Betreuer*innen.
Warum ist ehrenamtliches Engagement wichtig für unsere Gesellschaft?
Ehrenamt stärkt den sozialen Zusammenhalt und ermöglicht Begegnungen auf Augenhöhe. Man erlebt ein echtes „Wir“ statt „Ich“ und „Du“ und merkt, dass wir alle Teil einer Gemeinschaft sind.
Was würdest du Menschen sagen, die überlegen, sich ehrenamtlich zu engagieren?
Seid offen – ihr werdet es nicht bereuen. Ehrenamt ist nie „Arbeit“, sondern eine Bereicherung. Man lernt voneinander, entwickelt sich weiter, erlebt Gemeinschaft und erfährt, worum es eigentlich geht.

März 2026 – Yvonne Lange