Weltfrühgeborenentag

Wir kämpfen für die Kleinsten der Kleinen

Jährlich kommen in Deutschland 60.000 Kinder zu früh auf die Welt. Damit ist rund jedes elfte Baby ein Frühchen und wird vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren. 10.000 dieser Frühchen wiegen weniger als 1.500 Gramm und gelten damit als extrem frühgeboren. Der Bunte Kreis Rheinland begleitet Eltern frühgeborener Kinder an fünf Strandorten im Rheinland auf den neonatologischen Stationen und unterstützt Familien beim Übergang aus der Rundumversorgung der Klinik in ihren neuen Alltag zu Hause. Dass gerade die langersehnte Heimkehr viele Familien vor Herausforderungen stellt, erlebt Melanie Kaatz, Teamleitung Bonn, häufig.

„Die Familien verbringen oft Wochen, manchmal sogar Monate im Krankenhaus“, sagt die studierte Sozialpädagogin. „Natürlich sehnen sie sich nach einem Alltag zu Hause, aber sie haben auch Angst davor, plötzlich auf sich allein gestellt zu sein. In den Kliniken hatten sie rund um die Uhr eine komplette medizinische Überwachung und konnten immer jemanden um Rat fragen. Ich habe nicht selten Mütter erlebt, die ihre Kinder nicht aus den Augen lassen konnten, weil sie sichergehen wollten, dass sie noch atmen.“

Die ersten Tage mit einem Neugeborenen können an sich schon sehr herausfordernd sein. Bei einem schwer kranken Kind oder extremen Frühchen vervielfachen sich die Ängste und Sorgen. „Wir unterstützen diese Familien im Rahmen unserer Sozialmedizinischen Nachsorge und wollen Ansprechpartner für sie sein. Das bedeutet: Wir kümmern uns nicht nur um die Gesundheit der Kleinsten, sondern unterstützen auch beim Aufbau eines Versorgungsnetzwerks. Je nachdem, was die Familie benötigt, vermitteln wir Fachärzt*innen, Therapeut*innen, Pflegedienste und Selbsthilfegruppen“, so Melanie Kaatz.

Neben Kinderkrankenschwestern werden die Familien auch von Sozialpädagog*innen und Psycholog*innen betreut. Insgesamt werden dabei im Jahr mehr als 95.000 km mit dem Auto zurückgelegt, um die Familien zu Hause zu unterstützen, denn vor allem in den ländlichen Gebieten gibt es hinsichtlich medizinischer Versorgung oft Engpässe.

Um so wichtiger ist es, das Thema „Frühgeborene“ weiter in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, zum Beispiel mit dem Weltfrühgeborenentag, der jährlich am 17. November begangen wird, um auf die besonderen Startbedingungen der Allerkleinsten hinzuweisen. Mitarbeiterinnen des Bunten Kreis Rheinland haben dafür symbolisch vor dem Marienhospital in Bonn Ballons mit Wünschen für die Frühchen und ihre Familien steigen lassen. „Verliert niemals die Hoffnung. Jeden Tag geschehen Wunder“, steht auf einem von ihnen.

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